Meine Kinder haben eine LRS, sind aber nicht dumm!

LRS

Foto: Pixabay

Ihr Lieben, neulich hatten wir bei uns eine Mama, die über die Rechenschwäche ihrer Tochter erzählt hat (Hier zum Nachlesen). Daraufhin hat sich Heike bei uns gemeldet, deren Kinder beide eine Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS) haben. Für die ganze Familie ist das ziemlich belastend, wie sie uns hier erzählt:

Liebe Heike, du hast dich auf unseren Artikel zur Matheschwäche gemeldet. Du hast zwei Kinder, die LRS haben. Kannst du mal erzählen, wann dir da das erste Mal was aufgefallen ist? 

Meine beiden Kinder sind 12 und 9 Jahre alt. Bei meinem Großen fiel uns schon Ende der 1. Klasse auf, dass sein Lesetempo und die Genauigkeit stark von anderen Kids seiner Klasse abwichen. Anfangs habe ich mir keine großen Sorgen gemacht, da wir fast das halbe Schuljahr im Lockdown waren und eben auch jedes Kind sein eigenes Lerntempo hat. Zum Ende der 2. Klasse fiel auf, dass er in Diktaten sehr schlecht war. Aber nicht bei den Wörtern, welche wir gelernt haben. Sondern eher bei den Füllwörtern, um aus den Lernwörtern einen Satz zu bilden. Auch Satzanfänge waren meist kleingeschrieben.

Bei der Kleinen lief das Lesen lernen ein bisschen besser. Ihre Motivation trug sicherlich viel dazu bei. Trotzdem merkten wir, dass es wieder langsamer und fehlerbehafteter als bei anderen Kids ihrer Klasse war.

An wen und wann hast du dich gewandt, um darauf aufmerksam zu machen und deine Gedanken zu teilen?

In Sachen wird Mitte/ Ende der 2. Klasse ein Standard LRS Test durchgeführt. Dieser war laut seiner Lehrerin unauffällig. Ab der 3. Klasse wurde es dennoch zunehmend schwerer für ihn. Er kam beim Lesen kaum mit und verlor auch total die Lust daran. Das Schreiben wurde auch nicht besser.

Ich sprach mit der Lehrerin darüber und erzählte ihr auch, dass bei uns in der Familie LRS vorkommt. Sie nahm mich leider wenig ernst und sagte, dass eben nicht jedes Kind gut in der Schule sein kann. Bei meinem Sohn war es ja wirklich so, dass seine Leistung stark von den anderen Fächern abwich, das war echt auffällig. Bis zum Ende der 4. Klasse gab es mehrere Gespräche mit der Lehrerin, jedoch tat sie meinen Verdacht der LRS immer wieder ab.

Am Ende der 5. Klasse habe ich mich dann seinen neuen Klassenlehrer, auch Deutschlehrer, gewandt. Er nahm sich meinen Sorgen an und hat sich den Hefter meines Sohnes über die Ferien mit nach Hause genommen, um sich einen Einblick zu verschaffen. Letztendlich veranlasste er endlich einen LRS-Test beim Schulamt.

Und bei deiner Tochter? Wie lief es da?

Bei der Kleinen lief es ganz anders. Ende der 1. Klasse hatten wir ein Elterngespräch, in dem die Lehrerin ihre Leistungen und ihre Motivation lobte. Auffällig sei jedoch, dass sie im Deutschunterricht Probleme mit der Anlauttabelle hatte. Ich habe gefragt, ob dies an einer LRS liegen kann.

Die Lehrerin war verwundert über meine Frage. Zum einen, weil es wirklich ein erstes Anzeichen war, um anderen, weil Eltern eigentlich eher nichts von diesem Themas wissen wollen. Die Lehrerin versprach, die ganze Sache weiterhin aufmerksam zu beobachten. Mitte der 2. Klasse folgte auch hier der LRS Test der Schule, der auffällig war. Das Lesetempo und auch die Genauigkeit war stark abweichend von den Leistungen der anderen Kinder. Später wurde sie dann von einer Mitarbeiterin des Schulamtes in der Schule getestet.

Was war die Reaktion aus eurem familiären Umfeld auf deine Vermutung, dass deine Kids LRS haben?

Im familiären Umfeld hatten alle von Anfang an den Verdacht, da wir LRS in der Familie haben. Zudem haben wir uns gut zu dem Thema informiert und kannten die Anzeichen…

Was haben die Diagnosen dann mit euch gemacht?

Der Große wurde ja erst Ende der 5. Klasse diagnostiziert. Es war eine Erleichterung für uns alle, vor allem aber für unsere Sohn. Er hielt sich immer für zu dumm für die Schule und litt auch sehr darunter. Nun wusste er, woran es lag, dass er sich schwer tat.

Mit was tun sich deine Kids besonders schwer, wie ausgeprägt ist die LRS?

Beide Kids tun sich schwer Texte in „normaler“ Zeit zu lesen und das Gelesene zu verstehen. Sie benötigen mehr Zeit, da sie langsamer und fehlerbehaftet lesen. Sie müssen sich Texte mühsam erarbeiten. sie können sich die Schreibweise von Wörtern nicht so schnell merken. Die Rechtschreibstrategien müssen sie sich immer wieder vor Augen halten. Die Zeit haben sie aber im Schulalltag nicht. Dadurch entstehen viele Rechtschreibfehler.

Du hast uns gesagt, dass das alles eine enorme nervliche Belastung ist. Was genau belastet so sehr?

Die nervliche Belastung ist sehr hoch, weil uns Eltern Zukunftsängste plagen. Schaffen die Kids einen guten Schulabschluss, um später einen Job zu finden? Die Noten sind nach wie vor teilweise schlecht, weil der Nachteilsausgleich fehlt oder mangelhaft ist.

Beide Kinder gehen zu einer LRS-Therapie, was sehr zeitaufwändig ist. Neben dem Sport der Kids und anderen Verpflichtungen wie Arbeit und Schule ist das teilweise kaum zu stemmen. Dazu kommt, dass LRS in der Gesellschaft leider oft mit Minderintelligenz gleichgesetzt wird. Unsere Kinder werden oft für „dumm“ bezeichnet und sogar auf die Sonderschule gewünscht. Dabei hat eine LRS nichts mit dem IQ der Kids zu tun.

Und auch finanziell ist es nicht leicht. Erzähl mal. 

Bei uns in Sachsen gibt es die Möglichkeit, für zwei Jahre eine LRS Klasse zu besuchen. In den 2 Jahren wird die 3. Klasse auf 2 Jahre aufgeteilt. Dort werden die Kids noch einmal anders unterstützt und bekommen viele Strategien an die Hand. Beim Großen kam diese Art der Beschulung nicht mehr in Frage, da er zu spät diagnostiziert wurde. Die Kleine bekam keinen Platz in der Klasse, da sie nicht zu den „Härtefällen“ zählte.

Eine normale Deutsch-Nachhilfe sollte im Falle einer diagnostizierten LRS nicht gewählt werden. Man benötigt wirklich Therapeuten, die wissen, was die Probleme macht und wie diese im Speziellen aussehen. Man kann sich ohne eine LRS zu haben absolut nicht vorstellen, was das für ein Durcheinander in den Köpfen der Kinder ist, sobald sie Buchstaben sehen. Wir haben uns daher ein Institut gesucht, welches geschulte Lerntherapeuten hat.

Leider sind diese Therapie-Kosten sehr hoch. Wir zahlen monatlich 550 Euro für jeweils 45 min in der Woche. Eine Kostenübernahme kann beim Jugendamt beantragt werden. Man durchläuft dort Anträge über Anträge, Kinder-Sitzungen bei vom Jugendamt ausgewählten Kinderpsychologen, Hospitationen in den Schulen in den Fächern Deutsch und Englisch. Von Antrag bis Entscheidung vergeht ca. 1 Jahr. Eine Kostenübernahme wird vom Jugendamt nur geleistet, wenn eine Gefahr für die seelische Gesundheit des Kindes erkennbar ist.

Diesem ganzen Verfahren wollten wir uns nicht aussetzen, was mehrere Gründe hatte. Unser Großer hat uns angebettelt, endlich „Ruhe“ zu haben. Er hatte seine Diagnose und war damit fein. Es war alles eine starke Belastung und er wollte keinen weiteren Marathon. Deshalb zahlen wir das nun alles selbst und diese monatliche finanzielle Belastung ist manchmal sehr schmerzhaft. Wir haben Erspartes aufgebraucht und leben jetzt reduzierter um die Therapie zahlen zu können.

Beide Kinder haben in dieser Therapie bereits Fortschritte gemacht. Die Kleine deutlich mehr als der Große. Laut den Therapeuten liegt aber daran, dass er zu spät diagnostiziert wurde.Hierfür gebe ich klar der damaligen Lehrerin die Schuld…

Was bräuchtest du und ihr, damit ihr sofort entlastet wärt?

Wir benötigen ganz klar finanzielle Hilfe. Der Große müsste eigentlich zwei mal die Woche zur Therapie, um Lücken zu schließen. Aber das können wir uns schlichtweg nicht leisten.  

Zudem sollte man das Thema neu in die Hand nehmen und sich fragen, ob das Jugendamt hier die richtige Stelle der Kostenübernahme ist. Es ist eine anerkannte Teilleistungsstörung. Diese ist nicht heilbar und das Schulsystem sollte darauf eingehen. Wir Familien werden damit allein gelassen. Leider ist die Erstattung der Kosten vom Jugendamt auch sehr willkürlich von Landkreis zu Landkreis.

Durch die Therpie-Termine und die Fahrt dort hin sind wir immer auf Hilfe angewiesen. Jeder Woche, jeder Tag muss durchgeplant sein. Ich wollte vor der Diagnose eigentlich ein paar Stunden weniger arbeiten, um den Familienalltag besser zu organisieren. Ich arbeite Vollzeit und kann wegen der Kosten definitiv nicht reduzieren.

Was macht das alles mit den Kindern und euch?

Wir versuchen natürlich, dass die Kids den Stress nicht so mitbekommen. Aber das ist schwierig. Schule und Therpaie sind immer Thema. Ist ein Kind spontan krank, muss ich absagen und bekomme die Stunde auch nicht erstattet. Sind Feiertage fällt die Therapie auch ohne Ausgleich aus.

Wir freuen uns immer, wenn wir von anderen LRS-Kids hören, um das Thema zu normalisieren. Unsere Kleine leidet sehr unter dem „Anderssein“. Sie weint ganz oft und sagt, sie will einfach „normal“ sein und keine LRS haben.

Ich überlege, ob ich noch einen Nebenjob machen kann, um die Kosten abzudecken. Ich überlege, wo ich noch Kosten einsparen kann. Meine Gedanken fahren ständig Karussell und ich kann schlecht abschalten.

Was wünschst du dir für die zukunft?

Wir wünschen uns eine Überarbeitung der Hilfe für Kinder mit solchen Teilleistungsschwächen. Wir wünschen uns finanzielle Hilfe, um den Kids die Hilfe zu ermöglichen, die sie benötigen. Man fühlt sich sehr schlecht als Eltern, wenn man den Kindern nicht so helfen kann wie sie es brauchen.

Wir wünschen uns, dass die Gesellschaft kapiert, dass unsere Kinder nicht dumm sind. Es gibt sogar viele berühmte Wissenschaftler, die auch eine LRS hatten.

Am meisten wünschen wir uns derzeit, dass der Nachteilsausgleich an den Schulen fairer wird, auch den in Abschlussprüfungen, sowie in den Abiturjahrgängen. Leider ist der Nachtteilsausgleich immer Lehrer-Sache und jedes Schuljahr müssen wir abwarten, wie welcher Lehrer was handhabt. Bei dem Großen wurden teilweise Rechtschreibfehler in Geografie mitbewertet. Aber mein Sohn weiß nicht und kann sich nicht merken, wie die Rhone/Rohne/Rone geschrieben wird. Den Kids wird es echt schwer gemacht. Ich glaube, dass viele Lehrer zu wenig Wissen über LRS darüber haben. Dies sollte bei den Lehramts-Studiengängen stärker behandelt werden.



16 comments

  1. Unser Junior hat LRS, die Diagnose kam sehr spät, erst in Klasse 6. Das kam sicher auch daher, dass ich mit ihm ( bin Deutschlehrerin)!in der Grundschule intensiv geübt habe, so dass das Problem nicht so auffiel. Heftig würde es erst mit Französisch als zweiter Fremdsprache. Vokabeln waren ein Frauen, 20 Wiederholungen, um sich das Wort einzuprägen, dann saß die Schreibung aber noch lange nicht. Das hat Zeit gekostet und Nerven. Wir haben in Klasse 7 die Reißleine gezogen und er hat auf die Realschule gewechselt. Dann kam Corona.
    Die Therapie haben wir auch selbst bezahlt, sie war auch hilfreich. In Klasse 8 hatte er einen Nachteilsausgleich, mehr Zeit ( was bei einem LRSler ziemlich sinnbefreit ist, die Kinder möchten oft so schnell wie möglich fertig werden mit der ungeliebten Tätigkeit), aber auch, sich in Klassenarbeiten bei Bedarf eine Frage langsam vorlesen zu lassen. Die Verwendung eines Laptops in Unterricht und in Klassenarbeiten ( ohne Internet und Textverarbeitung) wurde ihm nicht erlaubt, was schade war, er hat so eine schreckliche Schrift, dass er selbst das Geschriebene nicht lesen kann: daher hat er in Klasse 9 auf den Nachteilsausgleich verzichtet. In der Abschlussklasse gibt es keinen Nachteilsausgleich mehr für eine LRS. Vielleicht noch wichtig: Junior hat sich dann um eine Ausbildung beworben, bei einigen Arbeitgebern mussten die Zeugnisse bis zurück zur 8. Klasse vorgelegt werden, in denen aber stand, dass er einen Nachteilsausgleich hatte. Die Absagen kamen nur wenige Stunden nach dem Absenden der Bewerbungen…

  2. Hallo, hier meine kurze Geschichte zu meiner Tochter mit LRS: Ich hatte den Verdacht auf LRS Mitte der 2. Klasse. ich habe dann ziemlich zügig bei der Kinderpsychotherapeutin bekommen, die meinen Verdacht auch bestätigt hat. In der Schule wurde dann der Antrag auf Nachteilsausgleich gestellt. wie hier schon geschrieben, muss dieser Antrag bei einer Lehrerkonferenz bewilligt werden. Das war bei unserer Grundschule kein Problem. Meine Tochter hat daraufhin 1 Jahr Logopädie gemacht. Die Logopädin war Nachmittags nur für die LRS Kinder. Aktuell geht meine Tochter zu einer Lerntherapie, der Antrag wurde vom Jugendamt bewilligt und wird für 2 Jahre gezahlt. Schade dass vielen Kindern und ihren Eltern noch so viele Steine in den Weg gelegt werden. Liebe Grüße aus Rheinland-Pfalz

  3. Hallo,

    ich habe mal ein positives Beispiel was die Lehrer angeht. Bei meinem Sohn kam die Lehrerin auf uns zu und hat uns direkt den Antrag für den Nachteilsausgleich unterschreiben lassen. Sie haben ihn in der Schule getestet und das war dann dafür ausreichend.
    Da mein Sohn auch ADHS hat, wurde auch beim Psychologen eine LRS Diagnostik durchgeführt und bestätigt. Aktuell warten wir noch auf die Antwort vom Jugendamt wegen der Kostenübernahme.
    Was das Thema Intelligenz angeht, kann ich auch sagen, dass LRS keinesfalls mit niedrigem IQ einhergeht. Durch die ADHS Testung, bei der auch ein Intelligenztest gemacht wurde, wissen wir wie hoch der IQ unseres Sohnes ist.
    LG

  4. Interessantes Interview!
    Ich verstehe aber nicht so ganz warum laut Interview ein Lehrer über den Nachteilsausgleich für „sein Fach“ entscheiden soll, das kann eigentlich nicht sein. Es ist eindeutig (in Sachsen und anderen Bundesländern) geregelt, dass ein Nachteilsausgleich durch eine Klassenkonferenz beschlossen wird. Das heißt, die Lehrkräfte entscheiden gemeinsam über die Maßnahmen in allen Fächern. Zumindest sollte es so ablaufen. Eltern können aber bestimmte Maßnahmen beantragen. Im Erlass steht das eindeutig drin: So kann auf eine Notengebung bei bestimmten Teilaufgaben verzichtet werden. Das kann ja zum Glück Jahr für Jahr neu entschieden werden und ist meiner Erfahrung nach ab der 8./9. Klasse oft gar nicht mehr notwendig.

  5. Meine Töchter haben beide ebenfalls LRS. Wir kämpfen und arbeiten viel daran, dass es besser wird. Die Belastungen sind wirklich für die ganze Familie schwierig und das die Kinder oft weinen, weil es bei ihnen trotz üben nicht klappt, ist das aller schlimmste!
    Wir versuchen auch immer stark zu sein und ich hoffe, es wird besser, sobald sie nicht mehr in die enge Schublade des Systems Schule passen müssen.
    Dass die Kinder hier von einzelnen Lehrkräften abhängig sind ist echt absolut grauenvoll!!

    alles Gute für euch!!
    Wir schaffen das alle schon irgendwie!

  6. Hallo Heike,
    das was du schilderst, kenne ich nur zu gut. Bei meinem Sohn gab es auch seit der 1. Klasse Auffälligkeiten, welche von den Lehrern beschönigt wurden. Ende der 3. Klasse suchte ich auf eigene Faust einen Kinder-Psychiater zur Diagnosestellung. Zudem kam bei meinem Sohn noch eine auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung dazu, welche nur von spezielle HNO-Ärzte diagnostiziert wird. Mein Großer machte alles tapfer mit. Die Befunde legte ich dann der Schule vor. In der 4. Klasse gab es einen Lehrerwechsel, die neue Lehrerin nahm uns endlich ernst und veranlasste eine Testung beim Schulpsychologen. Leider wird nur das anerkannt. Wir bekamen einen Nachteilsausgleich, was mehr schlecht als recht funktionierte. Auf Grund dessen ließ ich mich als Elternsprecher aufstellen, da man dort mehr Mitspracherecht hat. So konnte ich z.B. in den Klassenkonferenzen teilnehmen, wo bestimmt wurde wie bei welchem Schüler der Nachteilsausgleich geregelt werden soll. Aber ja, ich war sehr oft in der Schule, weil Lehrer und Schüler damit nicht umgehen konnten und es einige Hänseleien gab. Ab der 7. Klasse ging unser Sohn auf eine Schule die auf LRS und AVWS spezialisiert war. Der Fahrweg war zwar ordentlich, jedoch fühlte er sich dort sehr wohl und wurde endlich vernünftig gefördert und von allen anerkannt. Mein Sohn hatte ebenfalls eine LRS-Therapie, diese hat ihm sehr geholfen. Bei uns wurde eine seelische Bedrohung bestätigt, jedoch nur vom Kinder-Psychiater. Dieser Befund war ausführlicher und aussagekräftiger als der vom Schulpsychologen. Daher übernahm das Jugendamt die Kosten. Es war trotz allem ein Kampf und erforderte Nerven, es hat sich aber definitiv gelohnt. Bei uns in Brandenburg lief alles hauptsächlich schriftlich, mein Sohn musste beim Jugendamt nicht „vorgeführt“ werden, geschweige gab es eine Hospitation.
    Mittlerweile ist er über 20 Jahre, hat seinen erweiterten Hauptschulabschluss und eine Ausbildung als Einzelhandelskaufmann geschafft und ist nun voll im Berufsleben. Er hat nach wie vor Probleme mit der Rechtschreibung und liest langsam, hat dafür aber seine Stärken in Mathe und spricht fließend Englisch. Also nur Mut, es wird besser! Die Kinder finden und schaffen ihren Weg.
    Ich hab noch nen kleinen Zwerg zu Hause, der leider unter einer Autismus-Spektrum-Störung leidet. Somit hören die Kämpfe nicht auf…..

  7. Hallo Heike, meine Tochter hat ADHS und LRS, auch eine wirklich belastende Kombination. Bei uns liegt es auch in der Familie, mein Mann hat auch LRS und ADHS. Er ist sehr erfolgreich im Beruf, so dass ich mir als Hausfrau viel Zeit für unsere drei Töchter nehmen kann.
    Als Tipp: ich konnte die Kosten für die Lerntherapie bei der Steuererklärung als außergewöhnliche Belastung ansetzen. Das hat mittlerweile schon zweimal funktioniert und bringt etwas finanzielle Erleichterung!

  8. Hallo, bin selbst zweifach betroffene Mutter und inzwischen Lerntherapeutin. Von zwei Lehrerinnen aus meinem Kurs weiss ich,dass die Anerkennung in Sachsen sehr schwierig ist. Ich empfehle den Kontakt zum Bundesverband für Legasthenie (BvL) aufzunehmen. Es gibt inzwischen einen gesetzlichen Anspruch. Mich nerven die Anträge über das Amt auch total, eigentlich sollte es Kassenleistung sein. Da muss aber eine weitere Diagnose vorliegen um ein Logo oder Ergo Rezept zu bekommen und dann muss die Person auch qualifiziert sein. LRS Kinder sind alles andere als dumm. Sie sind neurodivergent,da gibt es viele Accounts inzwischen bei Instagram,die aufklären. Und noch eine Idee: googelt mal: Promis mit LRS. Ich glaube nicht, dass Jamie Oliver und andere dumm sind 🙂 Alles Gute.

  9. Wir haben auch ein LRS Kind. Mega interessiert besonders MINT, mittlerweile in der 10 auf dem Gymi.

    Das war ein Kampf, immer noch werden Kinder hauptsächlich nach Noten bewertet, er sollte erst keine Empfehlung fürs Gymi bekommen aber wir wussten das er dort die beste Förderung für seine Interessen bekommen würde und wir haben uns durchgesetzt. Viele Lehrer sind kaum informiert zum Thema, der Standardsatz in der Grundschule war: er konzentriert sich nicht ☹️
    Besonders das Kind und auch die Eltern brauchen soooo ein dickes Fell, wenn es mal wieder Hefte mit schlechten Noten und alles voller roter Eintragungen zurück gibt, besonders die Fremdsprachen waren zu Anfang ein echter Krampf.
    Mit steigendem Alter wird es bei uns immer besser, die Noten der neunten Klasse waren die besten wir je hatten!

    Ich drücke euch die Daumen dass es bei Euch auch immer besser wird!! Lasst Euch nicht unterkriegen und entmutigen!

  10. Guten Morgen, zur Zukunft deiner Kinder (meine haben kein LRS bzw. noch nicht in der Schule). Ich habe Ingenieurskollegen mit LRS, da aber eh alles mit Rechtschreibprogramm heute funktioniert, merkt das sonst keiner und sie stehen nicht schlechter da, als die andern!

  11. Hallo Heike, auch unsere Tochter hat eine LRS. Wir wohnen in NRW und die Krankenkasse zahlt die LRS-Therapie beim Logopäden. Geht das bei euch nicht?

    1. Hallo Andrea, vielleicht als Ergänzung: Es gibt einen großen Unterschied zwischen Lerntherapie und Logopädie und eine Lerntherapie darf ein Logopäde nicht über die Krankenkasse abrechnen, vermutlich gibt es noch andere Herausforderungen, weswegen der Logopäde hier eine gute Unterstützung für euch ist. Hier habe ich eine Logopädin interviewt, die auch Lerntherapeutin ist.

      https://www.lerntherapie-vs.de/legasthenie/lrs-therapie/

      Lg
      Susanne

    2. Ich wohne auch in NRW. Bei reinen LRS Therapeuten und Sprachpädagogen wird die Förderung leider nicht übernommen. Wir zahlen auch alles selbst.

  12. Hallo Heike, mach dir keine Sorgen über die Zukunft. Von meinen 4 Kindern haben 3 Kinder LRS. Einer ist inzwischen Lehrer, die anderen beiden erfolgreich im Studium. Der jüngste hat wegen der LRS die 2. Klasse wiederholt ( er konnte gar nicht lesen) und hat dadurch ein sehr starkes Mathefundament, das sich bis zu seinem heutigen Ingenieurstudium durchzieht.Die LRS springt in unserer Verwandschaft: Mein Onkel ( sehr intelligenter Mann, hat sich 1981 selber einen Computer gebaut), der Sohn meiner Tante ( erfolgreicher und beliebter Händler) und nun 3 meiner Kinder.
    Ich habe bei allen privat einen guten LRS-Förderunterricht bezahlt. Vor allem den älteren habe ich sehr lange vorgelesen, auch Schullektüre, die sie sonst zeitlich nicht geschafft hätten. Der jüngste hat Hörbücher im Internet und Erklärvideos zu allen Themen entdeckt. 2 waren auf einem unterstützendem Gymnasium, die mittlere auf einer Gesamtschule. Den angebotenen Notenausgleich haben wir nur beim jüngsten ausgenutzt, aber wieder als nutzlos weg gelassen, da er doch immer nachgerechnet hat: „Ich habe eine Zwei, in Echt wäre das aber bestimmt eine Drei minus…“. Warum dann nicht gleich die Drei minus? Alle 3 waren im Ausland ( Work and Travel, Erasmus-Auslandssemester) und sind im mündlichen Englisch fit.Die mittlere liest sehr gerne und hat im Freundeskreis sogar einen Buchklub gegründet.

    1. Es gab hier einmal ein Interview über Worthelden. Die Lrs Therapie muss zwar immer noch selber gezahlt werden, aber die Stunden finden online statt. Spart zumindest Zeit und Geld für den Fahrweg.
      Und hilft bei unserem Sohn mit ADHS, LRS.
      Lg
      https://worthelden.de/

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