Ihr Lieben, das Thema Organspende liegt uns sehr am Herzen. In Deutschland standen Ende 2024 8.575 Menschen auf der Warteliste für ein Spenderorgan. 2024 gab es bundesweit 953 Organspenderinnen und Organspender – sie Zahl der Wartenden ist also weit größer als derer, die ihre Organe im Falle des Todes spenden würden. Wie lebensverändernd aber ein Spenderorgan für die Betroffenen ist, erzählt Anita hier.
Liebe Anita, du bist schon seit deiner Kindheit herzkrank. Was hast du genau und wie äußert sich das?
Ich bin 1963 geboren und gesund zur Welt kommen. Mit zwei Jahren hatte ich eine Herzmuskelentzündung, aus der eine eine Herzschwäche (Herzinsuffizienz) hervor ging. Es war also seitdem immer so, dass ich bei Anstrengung schlecht Luft bekam.
Du hast lange versucht, dein Leben möglichst normal zu leben – doch nach den Schwangerschaften wurde das schwieriger. Was hat sich da verändert?
Ich habe einfach gemerkt, wie anstrengend Schwangerschaften für den ganzen Körper wurde und wieviel mehr das Herz zu leisten hat. Meine Atemnot wurde also schlimmer. Und trotzdem habe ich lange gezögert, zum Facharzt zu gehen, weil ich dachte, ich kriege das irgendwie noch alleine hin.
Doch irgendwann ging es nicht mehr und du bist doch zum Facharzt. Was war seine Prognose für dich?
Der Facharzt hat dann eine Pumpleistung von ca. 40% festgestellt. Ich bekam Tabletten und sollte weniger arbeiten. Das habe ich tatsächlich auch gemacht, aber Atemnot, Erschöpfung und Müdigkeit blieben meine ständigen Begleiter.
Irgendwann war die Pumpleistung des Herzens nur noch bei 30 Prozent – wie fühlt sich da das Leben an?
Das Leben fühlte sich nicht mehr nach Leben an. Man kann nichts mehr machen, was mit Bewegung zu tun hat. An manchen Tagen musste mein Mann mit im Bad stehen, wenn ich duschen ging, weil die Gefahr zu groß war, dass ich ohnmächtig werde. An einen guten Tag konnte ich beim Einkaufen durch zwei Gänge gehen- dann musste ich zurück zum Auto, länger schaffte ich es nicht.
Dann war die Gefahr. dass ich am plötzlichen Herztod sterbe so groß, dass ich einen Herzschrittmacher mit Defi bekam. Den hatte ich sechs Jahre.
Du kamst dann auf die Warteliste für ein Spenderorgan. Gab es Annahmen, wie lange du darauf warten musst?
Ich kam dann 2021 auf die Liste bei Eurotransplat. In Österreich wartet man im Durchschnitt 9 Monate – 2 Jahre auf ein Herz.
Wie und wann hast du dann ein Spenderherz bekommen?
Am 4.2.2022 um 22.15 Uhr bekam ich den ersehnten Anruf, dass es ein Herz für mich gibt. Der 4.2. ist der Geburtstag meines verstorbenen Vaters, ich bin mir sicher, dass er mir das Herz geschickt hat. Eine halbe Stunde nach dem Anruf wurde ich mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht, wo sofort mit der Transplantation begonnen wurde.
Wie hat sich dein Leben nach der OP verändert?
Mein Leben hat sich sehr verändert: Ich bin dankbar, achtsamer und so glücklich meine drei Enkelkinder aufwachsen sehen, dafür lohnt sich alles. Die Operation ist nun drei Jahre her, alle Werte sind top und dem Herz gehts wunderbar.
Weisst du irgendwas über den Spender?
Über meinen Spender/ Spenderin weiß ich nichts, dass wird von Eurotransplant in Europa so gehandhabt. Man erfährt weder, wer gespendet hat, noch aus welchen Land das Organ kommt.
Ich bin meinen Spender unglaublich dankbar und habe mich vor der Transplantation geistig mit ihm verbunden und ihm gedankt. Ich habe ihm/ ihr erzählt, dass ich dank ihm/ihr meine Enkelkinder jetzt aufwachsen sehen darf und dass mir das so viel bedeutet!
Ich habe ihm/ihr gesagt, dass ich gut auf sein/ihr Herz aufpassen werde und ich habe der Familie des Spenders/in gedankt und ihnen gesagt, dass ich ihre Trauer fühle.
Was möchtest du allen Menschen sagen, die darüber nachdenken, ob sie einer Organspende zustimmen sollen?
Jeder Mensch muss selbst natürlich entscheiden, ob er seine Organe spenden möchte. Meine Familie und ich sind uns schon immer sicher, dass wir unsere Organe spenden wollen. Wenn bei einen Menschen keine Hirntätigkeit mehr vorhanden ist, dann ist sein Körper nur mehr eine Hülle. Die Seele, die den Menschen ausmacht, ist dann längst an einem anderen Ort. Warum sollte man also dann nicht Teile seines Körpers dazu verwenden ein anderes Leben zu retten?






















1 comment
Super geschriebener und informativer Artikel :-). In diesen Blog werde ich mich noch richtig einlesen