HPV: „Mit einer Impfung wäre ich nicht daran erkrankt“

HPV

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Ihr Lieben, wir wissen, dass beim Thema Impfung die Gemüter hochkochen, im Falle von der HPV-Impfung haben wir aber eben endlich auch mal die Chance, uns vor gewissen Krebsarten zu schützen. Die Impfung wird von der Ständigen Impfkommission (STIKO) für alle Mädchen und Jungen im Alter von 9 bis 17 Jahren empfohlen. Unter 15jährige erhalten insgesamt zwei Impfungen, bei über 15jährigen sind es drei Impfungen in den Oberarm. Leider gab es die Impfung früher noch nicht… und unsere Leserin ist an HPV erkrankt. Wir sprechen mit ihr darüber.

Liebe Steffi, neulich teilten wir bei Instagram die neusten Zahlen zur HPV-Impfung, die besagen, dass weniger als die Hälfte der Jugendlichen gegen HPV geimpft ist. Du reagierst darauf sehr emotional, warum? 

Ich wünschte, dass es diese Impfung schon vor 30 Jahren gegeben hätte. Ich habe seit über 10 Jahren HPV Typ 16 und musste meine Impfung mit Ende 30 selbst zahlen. Das waren knapp 1000 Euro. Leider hat es nur kurz gewirkt. 

Oh, was heißt das? 

Nun ist das HPV wieder da und ich muss mich damit auseinandersetzen, die Gebärmutter oder Teile davon entfernen zu lassen. Mich macht das unfassbar traurig. Weil ein weiteres Kind damit endgültig nicht mehr möglich ist, auch wenn ich das im Kopf schon weiß.

Du hast also eigentlich noch einen weiteren Kinderwunsch? 

Im Herzen, ja. Aber ich fühle mich mittlerweile zu alt. Außerdem leide ich an chronischer Migräne. Ich traue es mir nicht wirklich zu. Aber im Herzen ist noch ganz viel Platz. Und deswegen fällt es mir so schwer mich da final zu entscheiden. 

Und du hast das Gefühl, wenn du als Jugendliche die Impfung erhalten hättest, wäre es erst gar nicht so weit gekommen? 

Ja, daran glaube ich ganz fest. Ich hab mich als junge Erwachsene ganz naiv mit einigen Männern ausprobiert. Dabei habe ich mich immer auf meine Pille als Verhütungsmittel verlassen und nie mit Geschlechtskrankheiten gerechnet.

Du schriebst, dass du es auch wichtig findest, dass auch Jungs und nicht nur Mädchen gegen HPV geimpft werden, warum?

HPV Impfung
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Weil auch alle Fachverbände das empfehlen… Und meine Frauenärztin erzählte mir bei der letzten Gewebeentnahme, dass man mittlerweile herausgefunden hat, dass mit HPV auch Anuskrebs entstehen kann. Was nun zur Folge hat, dass ich nicht nur sehr regelmäßig zum Frauenarzt muss, sondern auch zum Proktologen. Diese Erkenntnis hat mir noch einmal klar gemacht, dass ich meinen Sohn definitiv impfen lassen werde.

Was möchtest du allen Eltern vor der Entscheidung für uns gegen die Impfung noch ganz persönlich mit deiner Geschichte mit auf den Weg geben? 

Ich habe seit über 10 Jahren HPV. Die Tücke ist, dass ich gar nichts davon merke. Das macht es ja so unheimlich. Ich muss alle drei bis sechs Monate zum Frauenarzt. Dabei reicht nicht nur der normale Abstrich, sondern es muss regelmäßig Gewebe entnommen werden. Das ist sehr schmerzhaft. Und jedes Mal ein Bangen, was bei der Untersuchung herauskam. Und die Angst, davor an Krebs zu erkranken. Die Entfernung der Gebärmutter bzw. eines Teils davon ist das Worst Case Szenario in meinem Fall. Vor so einer großen Operation habe ich einen Riesen-Respekt. 

Ich hatte bereits eine Konisation, die leider nichts gebracht hat. Die Krankenkasse zahlt die Impfung nicht mehr, wenn man älter als 18 ist. Sie kostet knapp 1000 Euro. Zusätzlich beunruhigt mich die neue Erkenntnis mit dem Anuskrebs in Kombi mit HPV. Ich würde meinem Kind gern diesen Arztmarathon und dieses ständige Bangen gern ersparen. 

Als ich 32 war, sagte meine Frauenärztin, ich solle mit dem Kinderwunsch nicht mehr allzu lange warten, weil sie nicht sagen kann, wann oder ob es zu Gebärmutterhalskrebs kommen wird. Zumal ich familiär vorbelastet bin. 

Wir wünschen dir ganz viel Gesundheit und Widerstandskraft und drücken alle Daumen für den weiteren Weg!



5 comments

  1. Ich möchte auch darauf hinweisen, dass einige Krankenkassen die Kosten übernehmen. Ich habe mich für meine Kinder (Sohn und Tochter) informiert und in dem Zuge mit meinem Gynäkologen darüber gesprochen. Er fand eine Impfung auch mit 40 noch empfehlenswert, daher habe ich das gemacht. Ich habe die Kosten erstattet bekommen. Auch für meinen Sohn hat er die Impfung empfohlen, mit dem Hinweis auf Schutz vor Peniskarzinomen.

  2. Ihr Lieben,

    als auf Dysplasie (meist durch HPV ausgelöste Veränderungen „Untenrum“(also Gebärmutterhals, Vagina, Vulva) möchte ich dem Artikel noch ein paar Ergänzungen hinzufügen.
    Es gibt viele Krankenkassen, die die Impfung auch noch über 18 jährigen zahlen, egal ob sie schon Geschlechtsverkehr hatten oder nicht bzw HPV positiv sind.
    Kann man hier nachlesen: https://www.entschiedengegenkrebs.de/
    Die meisten Krankenkassen zahlen nach einer OP (Konisation)bei der die durch das Virus verursachten Zellveränderungen entfernt wurden die Impfung. Ziel der Konisation ist es, die
    Zellveränderungen zu entfernen und in den allermeisten Fällen reicht die Konisation aus und eine Schwangerschaft ist dann auch gut möglich. (Ich operiere immer mit Vergrößerungsgerät, so dass nur ein paar Milimeter vom Gebärmutterhals weg müssen). Eine Entfernung der Gebärmutter ist zum Glück fast nie nötig, nur bei abgeschlossenener Familienplanung oder in sehr speziellen Fällen.
    Aber leider geht das Virus durch die OP nicht immer weg.
    Nicht alle HPV Typen werden durch die Impfung abgedeckt, aber die wichtigsten wie Typ 16.
    Die Impfung ist sehr gut verträglich. Danke, dass ihr auf dieses wichtige Thema aufmerksam macht.
    Vor allem das HPV 16 auch im Anus Veränderungen macht, die unbehandelt zu Krebs werden, ist sehr wichtig und für alle Frauen die HPV 16 haben und älte als 45 sind wichtig. (Kontrolle am Besten durch Abstrich und HPV Test und Prokotologin, wenn auffällig)

  3. Ich habe mich mit Mitte 30 impfen lassen und meine Krankenkasse hat die Kosten für die 3 Impfungen als freiwillige Leistung übernommen. Ich bin auch aus genau diesem Grund in diese Krankenkasse gewechselt. (Ikk südwest)

  4. Die Informationen hier sind leider nicht korrekt. Bei einer konisation bzw. Vorstufe 3. Grades (CIN 3) übernimmt die Krankenkasse die Impfung unabhängig vom Alter. Das legt auch die Leitlinie fest. Die Entfernung der Gebärmutter heilt kein HPV! Das Virus ist nicht mit dem Messer Heilbar. Eine konisation ist ausreichend und kann mehrfach durchgeführt werden. Kinder sind weiter möglich. Kondome schützen nicht 100% vor HPV da das Virus sehr klein ist.
    HPV braucht regelmäßige Kontrollen.
    #frauenärztin# Dysplasiesprechstunde

    1. Da meine Betriebskrankenkasse seit 01.01.2025 für jedes Alter die Kosten für die HPV-Impfung übernimmt, habe ich mich nun umgehend mit Anfang 40 impfen lassen – 3 Impfungen a 200 €. Als die Impfung damals auf den Markt kam, war ich leider der Zielgruppe schon entwachsen. Ich bin aber jetzt froh diese nachholen zu können. Aussage meiner Hausärztin war, das die Wirksamkeit zwar aus diversen. Gründen nicht mehr so hoch ist wie im jüngeren Alter, aber dennoch gegeben sei. Von daher übernehmen manche Kassen diese Leistung nun, da eine Krebsbehandlung für sie teurer kommt als die Vorsorge.
      Meine 10-jährige Tochter ist bereits geimpft und die 7-jährige wird sobald wie möglich auch geimpft werden. Meine Freundinnen und Bekannten lassen ebenfalls ihre Söhne impfen, um einfach ein Krebsrisiko zu reduzieren.
      Ich sehe diese Möglichkeit als ein großes Geschenk in der Gesundheitsvorsorge, vor allem weil ich erst dieses Jahr ein enges Familienmitglied durch Krebs verloren habe und einen solchen Tod niemanden wünsche.

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