Ihr Lieben, der August ist irgendwie immer so ein Umbruchmonat, oder? Zumindest für viele von uns. Katharinas Kleinster wird in der Kita eingewöhnt, viele Kinder kommen nach den Ferien in die Schule oder wechseln auf die weiterführende. Und ich hab grad ganz viel Kontakt mit Müttern, die Kinder in ähnlichem Alter wie meine Kinder haben, also große Kinder… Jugendliche.
Große Kinder: „Erstmal dran gewöhnen“
Die eine schickt mir ein Foto von der Auto-Rückbank, weil vorne links ihr „Großer“ 17Jähriger begleitet fährt und nebendran der jüngere Bruder sitzt: „Muss man sich auch erstmal dran gewöhnen“, schreibt sie. Eine weitere Freundin ruft weinend an, ihr „Kleiner“, der 16Jährige geht morgen für ein ganzes Jahr in die USA. Wieder eine andere schickt mir Fotos von ihrem 16Jährigen, der in Arbeitsmontur zu seinem ersten Tag als Azubi im Handwerk aufbricht.

Und ich selbst sehe meinen „Kleinsten“ grad im Führerschein durchstarten. Zur Theorieprüfung ist er einfach allein mit seinem 45er-Micorcar hingefahren, weil wir Eltern in der Zeit arbeiten mussten. Er musste eine Nummer ziehen, sich in ein Wartezimmer setzen, sich aufrufen lassen, sich an einen Rechner setzen, Fragen beantworten und dann abwarten, bis auf dem Bildschirm ein „0 Fehler“ aufploppte. Er sei innerlich vor Freude explodiert. Ich fragte später: Und wo hast du die Freude dann hingepackt? „In mein kleines Auto“, sagte er.
Besonders, wenn die „Kleinsten“ groß werden
Wenn die „Kleinsten“ groß ist das irgendwie nochmal was Besonderes. Es sind nicht mehr die ersten Male, denn vielleicht hat das große Geschwisterkind ja auch schon einen Führerschein gemacht oder eine Ausbildung gemacht, aber es sind die vielen letzten Male, die da mit reinschwingen.
Oder das Staunen darüber, dass auch die Jüngsten ja erwachsen werden und ihren eigenen Weg gehen, obwohl sie doch unsere Nesthäkchen sind. Wir können die Zeit nicht anhalten und wollen das auch nicht, aber die Erziehung ist im Grunde beendet, wir stehen unterstützend und begleitend am Wegesrand, aber ihre Entscheidungen treffen sie fast vollständig selbst.

Sie sprechen andere Sprachen, sie kommen auch im Ausland ohne Eltern zurecht, sie verlieben und entlieben sich, sie bereiten sich auf Klausuren vor oder auch nicht, sie bauen Scheiße in der Ferienfreizeit und benehmen sich nach der Ansage der Campleitung wieder, sie gehen in Clubs und tanzen sich in Ekstase oder gehen in ihren Hobbys auf oder hängen zu Hause in ihren Zimmern rum und wir wissen nicht so recht, was sie da machen.
Ausprobieren, nach vorn, nach hinten
Sie probieren sich aus, laufen zwei Schritte nach vorn, vielleicht mal wieder einen zurück, sie feiern sich, sie lieben ihre Cliquen und verbringen da mehr Zeit als zu Hause, sie denken über ihre späteren Jobs nach, sie beschweren sich über zu viel Stress wegen Schule und sehen dann ihre Kumpels, die aus der Ausbildung erst abends zurückkommen und freuen sich, sich doch noch für ein paar Jahre für die Schule entschieden zu haben.
Sie gammeln, wenn sie krank sind, neben dir auf der Couch rum, diesen Text schreib ich neben der bakteriellen Mandelentzündung, denn klar sind sie schon groß, aber zusammen krank sein ist trotzdem schöner als allein krank sein, das kenn ich ja von mir selber, wenn ich mal liegen muss und sich unten die Welt einfach weiterdreht.
Stolz und Wehmut
Grad erreicht mich das Foto meiner Freundin vom Frankfurter Flughafen, die ihrem Kleinsten für ein Jahr Tschüss sagt und ich werd auch ganz emotional, denn ich kenn ihren Jüngsten doch schon aus Grundschulzeiten.
Das Azubikind meiner anderen Freundin geht im Handwerk auf und wird nie mehr in die Regelschule gehen. Und wir Eltern stehen stolz daneben und schlucken kurz, während wir gleichzeitig so sehr gönnen. Wir haben sie groß bekommen!



















