Ihr Lieben, ich hab am Wochenende wenig geschlafen und hatte einen typischen Anfall von: Mama hat Angst. Ich war Samstagabend allein zu Hause (ja, sowas kommt mit großen Kindern vor!), wusste gar nicht, wo genau alle waren und konnte nicht wirklich einschlafen, aber auch nicht wirklich lesen, hing so am Handy rum, döste weg und dachte irgendwann: Nee, also zumindest bei einem Kind würd ich doch gern mal wissen, wo es grad ist.
Kam raus, dass es in einer anderen Stadt gestrandet war und eigentlich gern nach Hause wollen würde, der Fahrer aber noch nicht heim will. Ich schrieb dann irgendwann, dass ich dann jetzt ins Auto steige, um es abzuholen. Nein, nein, sie würden sich schon gleich auf den Weg machen. Wann denn? Mit wem denn überhaupt? Am Montag ist Schule. Schließlich sickerte durch, dass es ein vollbesetztes Auto sein würde, mit einem jungen Fahrer am Steuer und bei mir gingen in meiner Müdigkeit die Alarmglocken an.
Mama hat Angst

Nee, nee, hier ist doch grad erst direkt ums Ecke ein Unfall passiert, bei dem vier von fünf Teenagern ums Leben gekommen sind. Wie oft war ich auf dem Weg zum Reitstall an der Unfallstelle vorbeigefahren und hatte weinende Jugendliche gesehen, die sich in die Arme fielen und Blumen oder Kuscheltiere oder Fotos oder Briefe niederlegten.
Zweimal war ich selbst als Begleitung mit Jugendlichen vor Ort, wir haben gesprochen, zusammen geschwiegen und den Kopf geschüttelt. Ich war schließlich auch bei der Beerdigung einer der jungen MitfahrerInnen vor Ort gewesen, Freunde und Familie hatten Handabdrücke in den buntesten Farben auf den Arg gestempelt, einen bunten Regenbogen noch dazu. Wie gut oder nicht gut man solche Erlebnisse verpackt, merkt man dann manchmal eben erst, wenn man selbst plötzlich in einer ähnlichen Situationen in die Ängstlichkeit rutscht.
Das Ende vom Lied war dann, dass ich bis ca. anderthalb Stunden auf Standleitung war und dann einfach nur noch erschöpft ins Bett fiel, als endlich alle meine Babys wieder in Sicherheit waren. Es gab noch in der Nacht und auch am nächsten Morgen Sorrys und Entschuldigungen und zusätzlich Erklärungen, wie vernünftig und gewissenhaft die Person fährt und dass zu keiner Zeit von irgendeiner Gefahr auszugehen war.
Von gegenseitigem Verständnis

Mein Kind hatte aber Verständnis und meinte selbst zu mir, dass es wisse, dass ich da ja wirklich auch nur aus Sorge so reagiert hatte, weil ich einfach will, dass ihm nichts passiert. Und so war es und ist es ja auch. Aber da war wieder diese Kontrolllosigkeit, die uns eben mit großen Kindern immer mal wieder heimsucht und in die man sich als Eltern auch extrem reinsteigfern kann, selbst wenn man sich ansonsten als sehr sehr relaxt bezeichnen würde. Das war ich in dieser Situation nicht, aber: Ich konnte ganz transparent mit dem Kind darüber ins Gespräch kommen.
Worum geht es denn am Ende?
Ich habe erklärt, warum ich kurz mal panisch wurde, ich konnte mir wünschen, dass wir beim nächsten Mal früher über Heimkomm-Möglichkeiten sprechen und wir konnten uns schlussendlich in die Arme fallen und versprechen, dass wir das beim nächsten Mal besser hinbekommen. Und ich erzähl euch das nicht als Paradebeispiel, sondern als Exempel, dass wir alle mal schwächere Momente haben und vielleicht überreagieren und dass es dann aber drauf ankommt, nicht in den Groll zu gehen, sondern in die Kommunikation.
Denn warum ist da am Ende die Sorge? Aus Liebe. Eben.
Es soll ihnen halt einfach nichts passieren, punktum. Mal halten wir das gut aus und mal kommt dann eben auch der Kontrolleti in uns raus. Menschlich. Elterlich. Und solang das Ausnahmen bleiben einfach auch: normal. Ihr kennt das doch bestimmt auch, oder?




















3 comments
Ich fühle dich sooo sehr! Ich würde mich als entspannt und locker bezeichnen. Und meistens bin ich das auch. Unsere Große ist jetzt seit einem Jahr mit dem eigenen Auto unterwegs. Ich weiß dass sie eine gute, vorsichtige Fahrerin ist. Und dann gibt es diese Momente – sie fährt 200 km zu einem Konzert, will die gleiche Nacht wieder zurückfahren und bei mir läuft ein Film mit allen möglichen Eventualitäten ab… schwer, sich dann wieder zurückzuholen. Aber es wird besser.
Mein ältestes Kind ist noch nicht pubertär aber gerade in die weiterführende Schule gekommen und dadurch jetzt viel allein in der Stadt unterwegs – und da ist er, der Kontrollverlust.
Wenn es von der Grundschule nicht pünktlich nach Hause kam, konnte ich ihm entgegen radeln und hab es meist auf dem Weg gefunden, weil es getrödelt hat. Das ist jetzt anders und es kommt eben auch vor dass es nach der Schule lieber noch in einen Laden geht statt zum Bus. Das Kind wird groß und entdeckt seine Umwelt jetzt allein und das muss ich einfach aushalten und hoffen dass es sich meldet wenn es Hilfe braucht.
Das ist ja erst der Anfang, schon klar. Ich kann mir sehr gut vorstellen dass ich viele solcher Nächte erleben werde, wie Du sie beschrieben hast!!
Hallo Lisa,
Ich kann dich sehr gut verstehen. Bei mir ist es eigtl. Immer so dass ich relativ unruhig bin, wenn unser Großer nun bis Mitternacht oder auch etwas später unterwegs ist. Nicht gleich Bescheid gibt, wenn er überraschend übernachten kann oder der Zug zum heimkommen sich sehr verspätet/ verpaßt wurde. Vielleicht liegt es daran dass ich eine großen Bruder schon vor vielen Jahren bei einem Autounfall verloren habe.
Und ganz sicher ist es menschlich und mütterlich. Ein bisschen traurig bin ich immer , wenn mein Mann meine Sorgen so gar nicht ernst nimmt, einfach in Ruhe weiterschlafen will , eher genervt reagiert und lapidar sagt, der kommt schon wieder, kannst jetzt eh nix machen, schlaf lieber!
Ich bin gespannt, was mein Mann tun wird , wenn auch unsre Töchter anfangen auszugehen. Ich für meinen Teil weiss, dass ich dann Taxi spiele, denn quasi alleine oder zu zweit vom Volksfest nach Hause, so wie mein Sohn jetzt, das ist einfach bei Töchtern nicht drin habe ich das Gefühl. Leider, muss man sagen. Leider ist das auch heutzutage mir einfach eine zu große Gefahr. Ich kann es mir nicht vorstellen, ausser sie sind wirklich in einer größeren Gruppe unterwegs.
Mein Sohn will auch nie abgeholt werden, und bis jetzt ist auch alles gut, und meistens gibt es Bescheid oder es ist dann auch so ,dass er sich hinterher entschuldigt bzw. Wir reden , denn jeder von uns möchte doch nur dass er seinen Spaß hat und gut nach Hause kommt.
lg an alle denen es ähnlich ergeht