Urlaub nach Trennung: Ich vermisse mein Kind, wenn es mit Papa weg ist

Urlaub nach Trennung

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Ihr Lieben, in den ersten Jahren war es für unsere Leserin sehr schwer, wenn ihr Kind mit dem anderen Elternteil wegfuhr, mit dem es kaum gute Kommunikation gibt. So ein Urlaub nach Trennung ist nicht einfach. Mittlerweile ist ihr Kind so groß, dass sie weiß, es könnte nach Hause kommen, wenn irgendwas wäre. Sie hat gelernt, die Zeit ohne Kind, auch für sich zu nutzen. Das hat aber Jahre gedauert.

Du Liebe, am Sonntag hältst du nach drei Wochen endlich wieder deinen Sohn in den Armen, auf was freust du dich am meisten? 

Das ist jetzt die schwierigste Frage. Ich freue mich, dass wir wieder „zusammen“ sind (Teenager-Edition…), dass unser gemeinsamer Alltag wieder Einzug hält (auch wenn es erst in Urlaub geht) und „alles gut gegangen ist“. 

Du bist seit mittlerweile zehn Jahren vom Vater deines Sohnes getrennt, wie war der erste Urlaub nach Trennung ohne ihn, konntest du die Ruhe ohne Kind genießen?

Die ersten Urlaube konnte ich nicht wirklich genießen, unser Kind war bei der Trennung 4,5 Jahre alt und konnte damals natürlich nicht einfach mit mir Kontakt aufnehmen. Da unser Verhältnis als Eltern nicht gut war (und auch immer noch nicht gut ist), konnte ich mich nicht darauf verlassen, dass sich der Vater meldet.

Ich habe mich verabredet, länger gearbeitet und versucht, die Zeit für mich zu genießen. Ist mir aber in den ersten Jahren sehr schlecht gelungen. Insbesondere in den ersten Schulferien im Sommer, als unser Kind dann wirklich drei Wochen beim Vater war, habe ich mich quasi täglich mit Freundinnen verabredet. Das habe ich nach 2 Wochen beendet, es war zu viel für mich.

Jetzt verabrede mich, genieße aber auch die Zeit allein zu Hause, fahre auch mal über ein Wochenende weg. Habe aber die Sicherheit, dass unser Kind sich jederzeit bei mir melden kann und sich inzwischen auch in den Zug setzen könnte, wenn was wäre.

Erlaubst du dir heute, die „Freiheit“ oder Ruhe ohne Kind auch ein bisschen zu genießen oder schwingt da noch immer ein schlechtes Gewissen mit?

Ende einer Freundschaft
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Ein schlechtes Gewissen schwingt eher nicht mit, inzwischen nutze ich die Zeit gut für mich. Es ist vielleicht eher Hilflosigkeit, dass ich manches einfach nicht ändern kann. Der Vater besteht auf seiner Umgangszeit, unternimmt aber eher weniger mit unserem Kind und überlässt es sich selbst. Mit Unternehmungen meine ich tatsächlich keine teuren Ausflüge, sondern Vater-Kind-Zeit. Und ich würde mir tatsächlich für beide – Vater und Kind – wünschen, dass sie eine tolle gemeinsame Zeit haben. 

Ich unternehme in der „kindfreien“ Zeit einiges, fahre auch mal ein Wochenende weg. Kommuniziere das aber auch mit unserem Kind (also nicht jede Verabredung, aber dass ich grundsätzlich etwas unternehme). 

Wie gehst du damit um, dass du bei so vielen Erfahrungen deines Kindes dann einfach nicht dabei bist? Kann man das lernen mit der Zeit?

Unser Kind telefoniert regelmäßig mit dem gerade abwesenden Elternteil, so dass da je nach Tagesform, Alter, Lust und Laune ein wenig Info kommt. Im Nachhinein erzählt unser Kind einiges, da aber nicht so viel passiert, verpasse ich so gesehen auch nicht so viel. Und ja, lernen kann man es meines Erachtens schon.

Es ist unser Alltag, jedes zweite Wochenende und die Hälfte der Ferien ist unser Kind beim Vater. Ich hätte mir tatsächlich in jüngeren Jahren einen Austausch gewünscht, zumal der Vater ja viel mehr „verpasst“, da das aber einseitig nicht gewollt war, kann ich es nur akzeptieren. Mit jetzt 14 Jahren haben wir – trotz Pubertät – ein gutes Verhältnis und ich erfahre sicherlich nicht alles, aber einiges. Und damit bin ich fein.

Wie ist das Verhältnis zwischen euch Eltern heute?

Schlecht. Der Vater weigert sich nach wie vor mit mir zu sprechen, er fordert Kommunikation nur schriftlich ein. Meistens klappt das, wenn es z.B. aus gesundheitlichen Gründen notwendig ist und ich ihn anrufe, spricht er auch mit mir. 

Was ist das für ein Gefühl, das Kind für mehrere Wochen abzugeben, wenn man selbst nicht allzu gute Erfahrungen mit der begleitenden Person gemacht hat?

Kein schönes Gefühl. Ich habe selber psychische Gewalt erfahren und mich u.a. darum getrennt. Leider ist es im Familienrecht nach wie vor so, dass die Gewalt des Vaters gegenüber der Kindsmutter quasi egal ist bezüglich des Umgangs. Es gab da seitens des Jugendamts, der Familienberatung und des Familiengerichts keine Unterstützung. Im Gegenteil, ich sollte meine Ängste nicht auf das Kind übertragen. 

Sehr geholfen hat mir ein Elternkurs, den ich besucht habe und der längere Zeit fortgesetzt wurde. Inzwischen reden das Kind und ich offen über viele Situationen und ich glaube und hoffe, ich habe inzwischen eine gute Haltung und kann das gut vermitteln. Ein Gespräch nach einem Gewaltvorfall des Vaters gegenüber dem Kind mit uns beiden bei der Elternberatung war da auch sehr hilfreich. Da hatte ich erstmals das Gefühl, dass sein Verhalten thematisiert wird und ihm gespiegelt wurde, was sein Handeln bei unserm Kind auslöst. 

Du sagst, es hat auch „unschöne Zwischenfälle“ zwischen euch gegeben, magst du dazu etwas mehr erzählen? 

Der Kindsvater hat während unserer Ehe psychische Gewalt mir gegenüber ausgeübt. Physische Gewalt nicht. Allerdings hat er damals schon gegenüber unserem Kind kleine „Klapse“ verharmlost. 

An den Umgangswochenenden und vor allem im Urlaub kam es immer wieder zu physischer Gewalt (Schläge) gegenüber unserem Kind und auch Herabwürdigungen. Unser Kind ist weiterhin unregelmäßig in der Familienberatung und hat dort große Unterstützung. Unser Kind hat klare Regeln aufgestellt, unter deren Voraussetzung er mit dem Vater in den Urlaub fährt. Seitdem gab es keine Vorfälle mehr.

Wie geht es deinem Kind, wenn es wiederkommt? Müsst ihr euch dann immer erstmal wieder aneinander gewöhnen?

Das war tatsächlich in den ersten Jahren so. Inzwischen gehen wir beide besser und mit mehr Wissen um die Situation damit um. (Auch hier war der Elternkurs gut, da wurden wir in eine Situation versetzt, die uns aufgezeigt hat, wie es sich für Kinder anfühlt, wenn sie zwischen den Elternteilen wechseln – andere Regeln, Gepflogenheiten, Erziehungsstile). Es gab Phasen, da ist unser Kind erst mal in sein Zimmer gegangen und musste sich „akklimatisieren“. Das war sehr hart für mich, aber ich habe es versucht mit Verständnis zu begleiten. Heute ist das gar nicht mehr. Da gelingt der Wechsel ziemlich reibungslos. 

Wie wirst du die nächsten Wochen der Ferien mit deinem Sohn gestalten?

Wir fahren morgen direkt in unseren gemeinsamen Urlaub. Und ich freue mich sehr drauf. Urlaub mit Teenager… keine Sandburgen mehr bauen, loslassen, und jeder etwas Freiheit gewinnen – und trotzdem gemeinsam im Urlaub. 

Welchen Tipp hast du an andere Mamas, die vielleicht noch frischer getrennt sind und jetzt erstmal lernen müssen, mit den Ferienzeiten umzugehen?

Tipps finde ich schwierig, jede Familiensituation ist anders, die Bedürfnisse sind so so unterschiedlich. Grundsätzlich finde ich es richtig und wichtig, dass Kinder auch nach Trennungen mit beiden Elternteilen Zeit und Urlaube verbringen. Hilfreich ist eine gute Kommunikation und tatsächlich die Zeit alleine, wenn nicht genießen, dann gut für sich selbst zu nutzen. Und Vermissen ist ja nicht nur etwas Schlechtes, dann freut man sich wieder aufeinander. Und es als gute Erfahrungen für spätere Klassenfahren/Freizeiten sehen. Sowohl unser Kind als auch ich hatten da weniger Probleme als andere Eltern und Kinder. 



1 comment

  1. Hallo,

    Vielen Dank für deine Erzählungen.
    Wäre es möglich, den Link für den Elternkurs zu teilen?
    Viele Grüße und einen schönen Urlaub. Susanne

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