Harmonischer Urlaub? Ne, bei uns gibts nonstop Geschwisterzoff

Geschwisterzoff

Ihr Lieben, hach, Urlaub könnte sooooo schön sein – wenn da nicht dieser nervige Geschwisterzoff wäre. Da fährt man an die schönsten Orte und hofft auf Entspannung und die Kids kloppen sich nur. Na, wem kommt das bekannt vor? Wir wetten, den meisten von euch…. Auch unsere Leserin Karla ist gerade im Urlaub und statt harmonischen Familienferien gibt es viel Gemecker und ständigen Geschwisterzoff….

Liebe Karla, ihr seid aktuell im Urlaub mit euren beiden Kids. Wo seid ihr denn gerade?

Wir sind in Italien, wie jedes Jahr. Die Familie meines Mannes lebt hier, wir haben es also wirklich sehr gut: fahren oft zum Strand und verbringen sonst viel Zeit mit der Familie auf dem Land. Der Kleine spielt Ball im Garten oder entdeckt Neues, der Große hängt im Zimmer ab und kommt oft nur zum Essen raus. Die Schwiegereltern sind schon alt, aber sie tun alles für uns. Meine Schwiegermutter kocht soooo gut, die Lebensmittel-Auswahl hier ist der Hammer. 

Du hast uns erzählt, dass es zwischen den Jungs ständig Geschwisterzoff gibt. Kannst du mal erzählen, wie die Jungs so ticken?

Meine Jungs sind 8 und 15. Der Große ist eher der ruhigere Typ, der leider außer PC-spielen nicht wirklich Hobbys hat. Er ist sich selbst genug und das akzeptieren wir auch. Jeder Versuch, ihn für etwas zu begeistern, geht nach hinten los. Obwohl er schon sehr sportlich ist, aber er will einfach nicht. 

Der Kleinere ist das ganze Gegenteil, das absolute Energiebündel mit vielen Freunden und ganz viel Freude am Leben. Gegensätzlicher geht es kaum, aber leider stimmt der Spruch „Gegensätze ziehen sich“ gar nicht bei uns…

Über was streiten die beiden denn meistens?

Der Große fängt meist an, er ist super eifersüchtig, eigentlich seit der Geburt seines Bruders. Er vergleicht jedes Wort, jede Aktion, ist der Meinung, dass wir dem Kleinen mehr gutes tun als ihm. Man darf ihn selbst nicht falsch anreden, ihm nicht seinen Platz streitig machen, ihn nicht mit bestimmten Geräuschen stören, usw.

Der Kleine merkt natürlich, dass das Verhalten seines Bruders die ganze Familie immer unruhig macht und er reagiert entsprechend. Da kommt der kleine Teufel in ihm schon mal zum Vorschein, da er es nicht verstehen kann, dass sein großer Bruder so ist wie er ist. Er hängt auch sehr an mir und ihm tut es weh, mich oft so unglücklich zu sehen. 

Gibt es also gar keine guten Momente zwischen den Brüdern?

Ab und an gibts es kurze Momente, wo Einigkeit herrscht. Das sind wirklich meine Lichtblicke. Der Große holt den Kleinen von der Schule ab und sie holen sich ein Eis zusammen oder spielen mal etwas, wo es wirklich nur ums spielen geht, wo es keinen Gewinner oder Verlierer gibt. Allerdings halten diese Glücksmomente nicht lang an. Das macht mich sehr traurig. 

Wie geht ihr Eltern mit diesem Zoff um?

Anfangs haben wir uns aufgeteilt, so dass mein Mann mal mit dem Großen und ich mit dem Kleinen unterwegs war. Inzwischen kristallisiert sich immer mehr heraus, dass der Große eh nur mit seinem Papa etwas unternehmen will, von mir eher meist total genervt ist. 

Was macht dieser Zoff mit eurer Stimmung als Eltern?

Hm, einiges. Zum Glück kann es unserer Beziehung als Paar (noch?) nichts anhaben, aber als Eltern ist das schon sehr sehr aufreibend. Eigentlich ist einer von uns – zumindest im Stillen – immer genervt. Wir haben auch anderes Erziehungsansätze. Während mein Mann solche Situationen eher aussitzt, bin ich es, die versucht zu vermitteln. Ich kann auch im Streit nicht schlafen gehen. 

Beneidet ihr manchmal andere Familien, in denen alles so harmonisch scheint? 

Puh, Harmonie ist zum Glück nicht das, was mir fehlt. Ich war wohl auch eher ein lebhafteres Kind ;-).

Ich hoffe eher, dass die beiden Jungs endlich einsehen, dass sie Brüder sind und das für immer sein werden. Ich wünschte, dass ich anders mit der Situation umgehen könnte, jedoch fehlt mir selbst auch die Geduld. Immer, wenn ich einen anderen Ansatz versuche, eskaliert es wieder irgendwo. 

Wie ist denn euer Alltag? Gibts da auch viel Geschwisterstreit?Und wenn ja über was?

Im Alltag ist es etwas ruhiger, da hat ja jeder Struktur. Da rappelt es meistens zum Abendessen, wenn einer dem anderen etwas nicht gönnt oder man sich nicht über die Wahl des Essens einigt oder der Ketchup alle ist (wer das wohl war?)…

Was wünschst du dir für euren Urlaub noch? 

Ich wünsche mir, dass der Große endlich aus seiner Blase aufwacht und sich umschaut und dankbar ist, für alles was wir haben. Das geht vielen anderen nicht so. Ich sage ihm das oft, aber er zuckt nur mit den Schultern, wobei ich nicht genau weiß, was überhaupt in ihm vorgeht. Er lässt mich null an sich ran. 

Ich möchte natürlich auch an mir arbeiten und nicht mehr so schnell aus der Haut fahren. Da beneide ich andere Mütter sehr darum, manche scheinen viel gechillter zu sein. 



7 comments

  1. Liebe Karla,
    ich habe den Eindruck, dass du deinen Großen gerade ein wenig verlierst. Es funktioniert nicht, seine Betreuung an den Gatten auszulagern. Er braucht dich, aber eben anders als bisher. Interessier dich für ihn, lass dir seine Games zeigen, geh mit ihm in ein schickes Restaurant. Er sollte größere Pflichten aber auch größere Rechte genießen. Lern seine Freunde kennen, rede mit ihnen, nimm ihn als fast Erwachsenen wahr. Rede mit ihm auch über erwachsene Themen, bezieh ihn in deine Gedanken mit ein.
    Ein zufriedener Teen ist auch cooler im Umgang mit dem kleinen Bruder, wenn er sich wertgeschätzt fühlt.

  2. Hallo wir haben Junge und Mädchen mit 2,5 Jahren Unterschied, wobei der Große gerade 14,5 und die Kleine frisch 12 ist. Der Große liebt seine Schwester sehr, aber ist von Anfang an sehr bewertend zu ihr. Jetzt kommentiert er z. B. täglich ihre Kleidung und ihre Freundinnen, er findet sie z. B. alle einfach doof. Im Urlaub war es auch wieder so typisch, solange sie bei all seinen Vorschlägen mitzog, war alles paletti, aber wehe sie unternahm mit anderen etwas (eine Woche waren Bekannte mit einem Mädchen in ihrem Alter am gleichen Ort), da wurde er ziemlich komisch zu ihr und auch uns gegenüber massiv unzufrieden. Die Kleine mag ihn zum Glück sehr, sie kann vieles ab, was er so los lässt. Lässt ihn im Zweifel einfach stehen. Und er ist dann auch immer der Überzeugung, dass wir sie bevorzugen. Was definitiv nicht so ist, denn mit ihm machen wir immer die Cora coolen Sachen (mein Mann wandert z. B. mit ihm noch auf den höheren Gipfel, oder ich gehe mit ihm abends nochmal rum). Aber so ist das vielleicht bei größeren Geschwistern. Und Dankbarkeit brauchen wir von ihm auf keinen Fall zu erwarten, das kommt wahrscheinlich erst in ein paar Jahren wieder. Ich habe übrigens eine fast elfjährige Schwester und in dieser Phase ihres Lebens hatte sie mich nur ganz heimlich zu Hause lieb. Aber seit wir erwachsen sind, haben wir uns echt gerne!

  3. Ich habe mich beim Lesen gefragt, ob dein Großer neurodivergent ist. Bspw. hochsensibel, überdurchschnittlich begabt oder hochfunktional autistisch. Was du beschreibst kenne ich, mein Kind ist jedoch ein Einzelkind. D.h. Konflikte und Unstimmigkeiten entstehen in den Ferien mit uns Eltern, aber auch mal mit Freunden. Es geht meist darum, dass die Vorstellungen des Kindes nicht erfüllt werden, d. h. für alles gibt es einen Plan im Kopf des Kindes, aber das Umfeld verhält sich eben nicht nach Plan bzw. nicht immer so, wie vom Kind erwartet. Geholfen hat mir nur das viele Lesen, ich verstehe das Thema Neurodivergenz jetzt besser und habe meine Erwartungen angepasst.

  4. Liebe Karla, meine beiden Söhne sind 7 Jshre auseinander und wir hatten eine ähnliche Situation. Der Altersunterschied war einfach zu gross für eine brüderliche Freundschaft, der Grosse hat auch ständig verglichen, was er durfte und was sein Bruder durfte, vor allem die Urlaube waren jahrelang echt anstrengend. Und er hatte ja such Recht. Bei gemeinsamen Unternehmungen mussten wir darauf achten, dass der Kleine mithalten kann, er war in seiner Verspieltheit und Anhänglichkeit auch umgänglicher als der Grosse mitten in der Pubertät. Er wollte viel mit seinem grossen Bruder unternehmen, der spannender war als wir Eltern, der fand uns aber, vor allem in der Pubertät, alle drei ätzend.

    Mir hat geholfen, dass ich drei jüngere Schwestern habe, zwei davon mit erheblichen Altersunterschied zu mir. Ich konnte sehr gut nachfühlen, wie sich der Grosse fühlt. Also haben wir uns im Urlaub oft aufgeteilt. Mein Mann ist mit dem Grossen unterwegs gewesen, sie waren Kart fahren, Wasserski fahren, tauchen usw., ich bin dann mit dem Kleinen losgezogen. Am Strand waren wir oft gemeinsam, aber auch da haben wir nicht erwartet (verlangt), dass die beiden was unternehmen. Ich war sls Jugendliche der Meinung, dass meine jüngeren Schwestern das Problem meiner Eltern sind, warum sollte es mein Jugendlicher mit seinem Bruder anders sehen. Je weniger Druck herrschte, desto weniger Stress gab es.

    Mich hat es damals etwas traurig gemacht, wenn der Kleine so enttäuscht war, weil er wieder abgewiesen wurde, aber da musste er leider durch, ich konnte es nicht ändern.

    Irgendwann wollte der Grosse alleine oder mit Freunden in Urlaub, beide wurden größer, die Situation hat sich entspannt. Allerbeste Freunde wurden die beiden nicht, dafür ist der Altersunterschied vielleicht zu gross, aber je sie älter werden, desto näher sind sie sich.

    Mein Rat wäre locker lassen, die Bedürfnisse beider Kinder erkennen, die Worte Pubertierender nicht auf die Goldwaage legen, aus Gründen der Fairness den Kleinen nicht mehr verwöhnen als den Grossen in dem Alter, die eigenen Erwartungen runterschrauben und die Vorstellung von „glücklicher Familie“ überdenken.

    Familie funktioniert auf tausend Arten, man muss einfach herausfinden, was für die eigene am besten passt, und zwar für alle Familienmitglieder.

    1. Leider kann man Kommentare nicht ergänzen, deshalb hier noch ein Nachtrag: Meine Mutter stammt aus Ex-Jugoslawien und wir haben wirklich jeden Urlaub bei der Familie auf dem Dorf verbracht, meistens waren wir 3-4 Wochen in den Sommerferien dort. Was als Kind noch spannend war, war als Jugendliche für mich gleichbedeutend mit der Vorhölle. Natürlich war es schön, die Familie zu sehen, aber eine Woche hätte völlig gereicht. Da es damals noch keine Videospiele gab, habe ich stapelweise Bücher gelesen und Freundinnen beneidet, die an interessanteren Orten Urlaub machen.
      Vielleicht geht es Deinem grossen Sohn ja auch so. Teilt doch Euren Urlaub mal auf, eine Woche Familie, eine Woche etwas Spannendes. Das würde auch Deine Schwiegereltern entlasten, vor allem, da sie schon älter sind.

      Ich würde mir für Dich und Deinen Sohn wünschen, dass Du ihn etwas positiver sehen könntest. Vielleicht spiegelt sich die Art, wie Du Deine Kinder siehst (beschreibst), in Deinem Verhalten. Wenn das so ist, hat Dein Sohn leider jeden Grund, Dir Vorwürfe zu machen und nur wenig Grund für Dankbarkeit.

  5. Liebe Karla,
    deine Schilderung erinnert mich ein bisschen an meine mittlere Tochter und den jüngsten Sohn, die Tochter ist auch oft eifersüchtig. Ich versuche sie dann ernst zu nehmen, auch wenn ich es mir anders wünschen würde.
    Ich musste doch wegen der starken Wertung durch Dich schlucken. Ist Dir bewusst, dass der Jüngere die ganzen positiven Attribute bekommt (lebensfroh, Sonnenschein) während der Große der Langweiler ohne Freunde ist und das Leben nicht schätzt? Das ist echt hart!! Und dann erwartest Du Dankbarkeit?
    Vielleicht habt ihr den kleinen Sohn von Anfang an so bevorzugt und positiver gesehen?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert