Familiengeheimnis auf dem Standesamt gelüftet: Mein Mann hatte einen Bruder?

Familiengeheimnis

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Ihr Lieben, manchmal geschehen im Leben Dinge, mit denen wir rechnen. Jacqueline wollte mit ihrem Mann beim Standesamt das Aufgebot für die Hochzeit bestellen, als sie plötzlich im Stammbuch von einem Familiengeheimnis erfuhren. Von einem, das im Nachhinein vieles erklärte.

Liebe Jacqueline, wie und von wem hast du erfahren, dass dein Mann einen Bruder hatte?

·       Das war Anfang 2006, wir haben an diesem Tag unser Aufgebot beim Standesamt bestellt. Dort stand dann beim Namen meines Mannes, Kind2. Ich habe mir das Datenblatt dann sehr genau angesehen, und war erstmal geschockt. Das Kind hatte denselben Vornamen wie mein Mann, dieser hat einen zweiten Vornamen bekommen.

Wie war das damals? Hat er einen Namen bekommen? Wurde dein Mann einbezogen?

Das Kind hat nur einen Tag gelebt. Er wurde am 1. Weihnachtstag 1968 geboren und starb am 26.12.1968. Er wurde ganz normal im Stammbuch eingetragen. Damals gab es keine Möglichkeit der Bestattung, er wurde einem anderen Grab mitbeigesetzt. Wo das war hat niemand erfahren. Mein Mann hat es auch erst an diesem Tag erfahren. Er war wie vor den Kopf geschlagen.

Was hat die Information für dich verändert

Das Vertrauen zu meinen Schwiegereltern, zu denen ich eine sehr enge Bindung hatte, beide sind inzwischen verstorben, war erstmal weg. Uns wurde immer gesagt, lernt erstmal, ihr seid zu jung zum Kinder bekommen. Wir haben auch so lange gewartet. Und dann kommt raus, es gab ein Geschwisterchen.

Wie sprichst du mit deinem Mann darüber? Wie mit deinen Schwiegereltern? 

Wir haben meine Schwiegereltern sofort darauf angesprochen. Der Vater verließ das Zimmer, die Mutter meinte, da gäbe es nichts zu sagen. Später hat sie dann viel mit mir gesprochen, auch das sie insgesamt 8 Fehlgeburten hatte. Mein Mann kann die Heimlichkeit bis heute nicht verzeihen.

Was verstehst du deswegen heute besser als früher?

Ihr Verhalten meinem Mann gegenüber. Er war ihr Ein und Alles. Sie sagte oft, sie würde nicht zum Psychologen gehen, sie sei ja nicht plemplem. Dabei hätte ihr ein Aufarbeiten der Kindheit und der jungen Erwachsenenzeit sehr gut getan.

Erzählt ihr euren eigenen Kindern von dem gelüftetem Familiengeheimnis?

Ja, die Kinder wissen davon. Mir ist es wichtig, ehrlich zu sein. Meine Mutter hatte zwischen meiner Schwester und mir auch eine Fehlgeburt. Darüber hat sie von Anfang an ehrlich gesprochen. Mein Vater hat mir von der Fehlgeburt seiner Mutter während des zweiten Weltkrieges erzählt. Das war sehr emotional für ihn.

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Wie geht ihr heute damit um? Gibt es ein Armband mit seinem Namen, spielt es in eurem Alltag irgendwo eine Rolle

Nein, bis auf den Eintrag im Stammbuch gibt es keine Erinnerung.

Warum hättest du gern früher davon erfahren?

Weil ich es verlogen fand, ein Modell als das einzig Richtige zu fordern, aber selber ganz anders gelebt zu haben. Und gleichzeitig andere abwerten.

Was rätst du Familien zum Umgang mit früh verstorbenen Geschwistern?

Offenheit ist für mich sehr wichtig. Ich würde das Thema altersgerecht ansprechen. Je nach Umstand gibt es ja auch gute Trauergruppen, entsprechende Literatur.



3 comments

  1. Ich finde den Artikel zu unrecht sehr vorwurfsvoll geschrieben. Ich kann nicht nachvollziehen warum man als Schwiegertochter erwarten sollte davon erzählt zu bekommen – und finde es wiederrum sehr unpassend die Schwiegereltern damit zu konfrontieren. Bei dem Sohn kann ich noch besser verstehen, dass er enttäuscht ist nicht davon gewusst zu haben – aber auch da finde ich es nicht verwerflich, dass die Eltern sich entschieden haben es für sich zu behalten und aus verschiedenen Gründen nachvollziehbar. Schade, dass so wenig Verständnis und Toleranz den mittlerweile verstorbenen Großeltern gegenüber bestand.

  2. Ich bin gleicher Meinung wie Tanja, eigentlich geht es die Schwiegertochter nichts an. Kann irgendwie nicht verstehen, dass sie so wütend ist. In meinen Augen sollte sie eher Mitgefühl zeigen. Ich sehe es eher so, dass die Schwiegermutter ihren Sohn und ihre Schwiegertochter beschützen wollte. Was genau hätte es ihr denn gebracht, wenn sie es schon vorher gewusst hätte ?

  3. „Früher hat man nicht so viel geredet“, hat mir meine Mutter einmal gesagt. Vielleicht war es gerade das Bewusstsein darum, dass Kinderbekommen einen sehr belasten kann, was die Schwiegermutter dazu veranlasst hat, ihrem Sohn und seiner Frau dazu zu raten, es damit langsam angehen zu lassen. Außerdem geht es die Schwiegertochter gar nichts an. Es ist allein die Entscheidung der Schwiegereltern, wem sie davon erzählen und wem nicht.

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